Die Geschichte der Megalithgräber

Wie eindrucksvoll die Grabbauten selbst seien können, lehren uns nicht nur die riesigen altägyptischen Pyramiden, sondern ebenso die Megalithgräber in unserer Heimat.Wie die Untersuchungen der einzelnen Grabanlagen bestätigen, wurden diese im 3. Jahrtausend v.u.Z. von Angehörigen einer Kultur geschaffen, die man nach der charakteristischen Form vieler Tongefäße Trichterbecherkultur genannt hat.Noch im Sippernverband lebend, trieben die Trichterbecherleute Ackerbau und hielten sich als Haustiere Hunde, Rinder, Schweine und Schafe. Obwohl sie selbst in Häusern aus Holz wohnten, errichteten sie für Ihre Toten Grabkammern aus großen Blöcken, die das Eis einst weit von Norden herantransportiert hatte.

Zunächst waren die Grabanlagen nicht allzu geräumig. Wahrscheinlich auf Holzrollen zog man 4 bis 6 Steinquader zu dem vorgesehenden Grabplatz, legte sie dort zu einem etwa 2 m langen Rechteck zusammen, schob dann auf einer schiefen Ebene einen Deckstein bis zum oberen Rand der Wandsteine hinauf und längs über die Wände. Ein solches Steingrab (Dolmen = keltisch. Steintisch) war wohl nur für einen Toten bestimmt.

Irgendwann muß dann eine entscheidene Wandlung im Totenkult erfolgt sein. Durch verschiedene bauliche Veränderungen machte man nämlich den Urdolmen zugängig. Offenbar infolge eines raschen Anwachsens der Bevölkerung benötigte man jedoch bald größere Gräber, die von den Archäologen als erw. Dolmen und Großdolmen klassifiziert werden. Anders als bei den Urdolmen sind ihre Wandsteine nicht liegend, sondern aufrechtstehend angeordnet. Daher mußten sie durch Steinkeile und festgestampfte Lehmpackungen noch besonders abgestützt werden. Die Lücken zwischen den Wandsteinen setzte man mit übereinandergeschichteten Rotsandsteinplatten zu. Viele Großdolmen weisen außerdem eine Art Vorraum auf, den eine quergestellte Rotsandsteinplatte vom Hauptraum der Grabkammer abtrennte.

Fragen nach der mythisch-religiösen Vorstellungen und kultischen Bräuche, die mit den oft gewaltigen Bauten verbunden waren, so gibt es bisher kaum sichere Antworten.
Merkwürdig sind weiterhin mehr oder weniger rechteckige Unterteilungen der Kammerdielen durch hochkant gestellte Rotsandsteinplatten. In den so abgegrenzten Flächen (den Quartieren) wurden Gebeine der Verstorbenen zur Ruhe gebettet. Aber schon auf den ersten Blick fällt auf, daß die Quartiere meist zu klein sind, um in ihnen einen Toten in gestreckter Lage oder in Hockstellung beizusetzen. Sehen wir uns noch die in den Quartieren gefundenen Knochenreste an, dann wird vollends klar: Hier haben gar keine Erstbestattungen stattgefunden.

Offenbar sind die Toten zunächst irgendwo anders begraben oder aufgebahrt worden, bis die vergänglichen Teile verwest waren. Erst dann hat man die Gebeine zum zweiten Male in den Großsteingräbern beigesetzt. Seltsamerweise findet man jedoch keine vollständigen Skelette, sondern nur Teile von ihnen.
Hat man etwa für die Zweitbestattung bestimmte Gebeine ausgewählt? Man kann sogar Kannibalismus nicht ausschließen, obwohl es dafür keine direkten Beweise gibt. In skandinavischen Großsteingräbern hat man aber solche Anhaltspunkte dafür entdeckt.
Jedenfalls lassen die eigenartigen Sitten zumindest einen komplizierten Totenkult und ausgeprägte Vorstellungen über ein erhofftes Fortleben nach dem Tot ahnen.