Die Baumaterialien der Megalithgräber

Transport über 217 Kilometer

Die nordischen Megalithgräber werden in ihrer Bauweise durch Form und Fügung der einzelnen Blöcke bestimmt. Der Bedarf an diesen Baustoffen wurde wahrscheinlich weitgehend örtlich und oberflächlich gewonnen worden sein, wenn für den Antransport der Megalithen der atlantischen Dolmen auch wohl gelegentlich Wege von erstaunlicher Weise überwunden worden sind.

Zu dem am meißtens verwendeten Baustoff, den Findlingen, treten rohe und bearbeitete kleinere Geschiebe aus Schicht und kristallinem Gestein sowie Lockergesteinmaterial. Die Schöpfer der Grabanlagen waren außerdem bemüht, jede Lücke zuschließen und das ganze schließlich in einer Steinpackung und Sandschüttung zu hüllen.
Alle Rohstoffe wurden dem eiszeitlichen Ablagerungen entnommen. Die Auswahl erfolgte nach den architektonischen Vorstellungen über das Bauwerk und dem Stand der Verarbeitungstechnik. Dabei spielten die durch das Eis und das Wasser bedingte Gesetzmäßigkeiten der Verbreitung der Rohstoffe eine große Rolle.

Die Findlinge, Blöcke und Rollsteine

Entsprechend dem natürlichen Vorkommen bestehen die verwendeten Findlinge überwiegend aus den nordischen Graniten. Wenn die Blöcke auch gelegentlich aus kürzerer oder weiterer Entfernung antransportiert sein mögen, so waren die Bauherren bezüglich Menge und Größe der Findlinge doch zumeist von den örtlichen Vorkommen und den Transportmöglichkeiten abhängig.
Neben den eindeutig rohen Steinen, wie sie in die Moräne nach einem Transport über hunderte von Kilometern hergab, fehlt es jedoch nicht an solchen, die sich auf der Kammerinnenseite durch auffällig plane Flächen auszeichnen. Wie ungebräuchlich allerdings das Behauen von Granit war, erhellt aus der Tatsache, daß Granitabschläge verhältnismäßig selten als Dielenpflaster oder für die Verkeilung von Wandsteinen verwendet worden sind.
Groß sind auch die Massen faust- bis kopfgroßer mehr oder minder gerundeter Geschiebe, die als sogenannte Rollsteine in verschiedenen Elementen verbaut worden sind. Wo die Kammern in Rundhügeln eingebettet sind, ist vielfach unter der Oberfläche ein ummantelndes Geröllpflaster vorhanden, das am Hügelfuß von einem Ring aus Blöcken begrenzt wird. Zuweilen folgen hügelaufwärts ein oder zwei weitere Blockringe. Größere und kleinere Rollsteine sind zumeist auch in den Lehmschürzen vorhanden, die die Fußpartien der Wand- und Schlußsteine außen umgeben.

Die Schichtgesteingeschiebe

Im Vergleich zu den verbauten Findlingen, ist die Menge des Schichtgesteinsgeschiebes weit geringer. Unter ihnen stellen die Geschiebe aus rotem Sandstein den Hauptrohstoff. Es handelt sich um ein Gestein, das innerhalb der rötlichen Grundfarbe variiert.
Wo in der Konstruktion der Großsteingräber plattiges Baumaterial notwendig war, richtet sich die Aufmerksamkeit auf geeignete Rohstoffe des Schichtgesteins. Das gut spaltbare Material des Rotsandsteins wurde überall dort verwendet, wo Flächen auszulegen, unregelmäßige Lücken zu schließen, Höhen auszugleichen oder Grenzen zu markieren waren. Die verbreitetste Verwendung fanden die Rotsandsteinplatten bei der Quartiereinteilung der Kammerräume.

Das Lockergesteinsmaterial

Die in der Jungsteinzeit hoch entwickelte Herstellung der Töpferware, beweist die Vertrautheit mit dem dafür verwendeten Rohstoff, dem Lehm. Die bindedende Eigenschaft des Lehms nutzten die Neolithiker zur Herstellung von Gesteinsverbänden in verschiedenen Bauelementen. Verbreitet ist die unterschiedlich mächtige Dielenlage aus Lehm, womit das liegende Gesteinspflaster verbunden wurde. Die Basis der Wand- und Schlußsteine ist außen vielfach mit einer Lehmschürze versehen, in die größere und kleinere Rollsteine eingedrückt sind, so daß ein abdichtender Gesteinsverband für die Kammersteine entstand.